Britische Banken

Well, well … erfahren im Ausland wie ich nun mal bin, hatte ich mich gleich am ersten Wochenende in Southampton nach einem Bankkonto erkundigt. Während man früher vielleicht mal ein Pferd oder einen Sack Gold zum Reisen brauchte, ist es heute eher ein Bankkonto plus Bankkarte. Sie haben uns! In ihrer Tasche haben sie uns, die Banken. Dass sie einen in Großbritannien noch tiefer in der Tasche haben als in Europa, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.

You will need to bring a statement of your former bank with your address on it„, sagte die Mitarbeiterin der Bank, bei der ich mit meinem Vater aufschlug. Statement? Eine Erklärung? Alles klar, da rufe ich bei meiner Bank an, die machen mir das bestimmt fertig.

Natürlich wusste bei meiner Bank niemand, was die aus Großbritannien da eigentlich wollen. Also haben sie erklärt, dass ich kreditwürdig bin und nie im Soll war. Super. Nach anderthalb Wochen war es soweit: Meine Bank hat mir ein Dokument geschickt, wo genau das drin steht. Darauf: Meine deutsche Adresse, die auch auf meinem Personalausweis steht. Das sollte klappen.

An dieser Stelle möchte ich kurz daran erinnern, wie es in Frankreich (meinem bisherigen Superlieblingsspezialisten für sinnlose Umständlichkeiten): Ich machte einen Termin bei der Bank, ging hin, zeigte meinen Personalausweis und nannte meine französische Adresse. Ein paar Fragen zu Beruf (Student) und Beruf der Eltern später hatte ich einen dicken Ordner mit allen Unterlagen vor mir liegen, unterschrieb und war seitdem Kunde einer französischen Bank. Eine oder zwei Wochen später kam die Bankkarte per Post.

Zurück nach Southampton. Mittwoch habe ich also einen Termin für Samstag ausgemacht. Kein Wort dabei zu den vorzuweisenden Unterlagen. Ich frage also: Ihre Kollegin hat mir gesagt, ich solle eine Erklärung meiner Bank mitbringen. Ja, sagt der Mann am Telefon, das ist gut. Was das genau sei, will ich wissen. Das kann Ihnen die Kollegin am Samstag erklären, erwidert er.

So wichtig kann das dann ja nicht sein, denke ich und lasse mir den Termin für Samstag 13 Uhr geben. Ich bin begeistert, dass ich das Samstag erledigen kann!

Mit dem Bus, in den ich auf der linken Seite einsteige, geht es ins Stadtzentrum. Ich habe vorsichtshalber alles mitgenommen, was ich mir an Seltsamkeiten vorstellen kann: Perso, Kontoauszüge der letzten anderthalb Jahre, den Brief von der Bank. Was könnten die schon mehr wollen?

Im Foyer der Bank werde ich von einer Frau in hellblau empfangen und sie bittet mich, auf einer Wartebank neben den Beraterplätzen Platz zu nehmen. Mir drängt sich der Vergleich mit einem offenen Ärztewartezimmer auf. Der Mann neben mir schient nervös zu sein. Er wackelt wie verrückt mit beiden Beinen, also drehe ich mich weg und lese ein bisschen. Nach einigen Minuten kommt eine Mitarbeiterin der Bank, bittet mich, in ihrer Box Platz zu nehmen und wir beginnen das Gespräch.

Wie geht es ihnen? Wie lange sind sie schon in Großbritannien? Sie sind hier, um ein Konto zu eröffnen? fragt sie. Current account or Savings Account.
Ich erkläre ihr, dass ich seit drei Wochen hier wohne und nicht ganz verstehe, was sie meint (my current account ist eigentlich bei meiner alten Bank…), woraufhin sie mir erklärt, dass es sich um ein Girokonto handelt. Bingo.
Okay, ich brauche dann also einen Ausweis von ihnen und ein Dokument, das ihre Adresse bestätigt, sagt sie freundlich.

Ich reiche mir meinen Personalausweis. Kurzes Schweigen.

Ja, drehen Sie ihn um, da steht meine offizielle deutsche Adresse, sage ich ihr freundlich.

Sie schaut sich das Kärtchen kurz an, wie ein Dokument von einem anderen Stern und legt es gleich wieder weg. Do you have a statement of your German bank with you? fragt sie.
Natürlich, antworte ich und reiche ihr die Erklärung. Ich habe auch die Kontoauszüge dabei, wollen Sie sie sehen?
Sie schaut sie sich an, blättert hindurch und sucht etwas. Eine Adresse, wie sie mir erklärt.

Ich erkläre ihr, dass man die Auszüge in Deutschland entweder online oder am Auszugsdrucker bekommt, nicht jedoch zugeschickt. Es sei also nicht üblich, dass da eine Adresse drauf steht. Dafür hätte ich ja schließlich die Erklärung mitgebracht. Erst jetzt geht mir auf, dass sie mit statement nichts anderes als einen Kontoauszug meint.

Don’t you have a utilities bill? will sie wissen. Was ist eine utilities bill? frage ich.
Eine Nebenkostenabrechnung, Strom, Wasser oder sowas, erklärt sie mir.
Entschuldigen Sie, aber wie soll ich so etwas denn bitte haben, wenn ich gerade erst drei Wochen in Großbitannien wohne, sage ich.

Ratlos schaut sie mich an. Wir brauchen halt etwas, um ihre Adresse zu bestätigen. Ich habe Vorschriften, sagt sie.

Ich bin sprachlos! Gerade habe ich ihr ein offizielles Ausweisdokument der Bundesrepublik Deutschland, Mitglied der Europäischen Union, hingelegt, wo meine Adresse draufsteht.

Ich rufe den Helpdesk an, ob wir das hier akzeptieren können, sagt sie und zeigt auf Bankerklärung und Kontoauszüge, there is music playing…

Langsam komme ich mir wie in einem schlechten Film vor. Wieso bitte muss eine Bankmitarbeiterin bei der Hotline anrufen? Sind das Praktikanten? Werden die nicht geschult?

Sie sagt ihren Namen, eine Nummer und erklärt kurz, dass sie hier einen Deutschen sitzen hätte, der ein deutsches „Ausweispapier“ (German identity paper, O-Ton!) dabei hätte, Kontoauszüge und einen cover letter von seiner Bank mit der Adresse drauf. Akzeptieren wir das? fragt sie ins Telefon.

I’m afraid no, sagt sie, nachdem sie aufgelegt hat. Sprachlosigkeit macht sich bei mir breit.

Ich bräuchte die National Insurance Number und eine Rechnung, die an meine britische Adresse gerichtet sei, um das Konto zu eröffnen. Super, dass mir das jetzt, beim zweiten Termin (sic!), gesagt wird.
I am sorry, hope to see you soon, sagt sie betröppelt. Ich stehe auf und gehe.

Willkommen im Land, in dem die Banken regieren. City of London, olé! Fortsetzung folgt.

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